Kaffee mit Milch oder Milch mit Kaffee?

Das deutsche Steuerrecht gilt nicht gerade als das einfachste der Welt. Dies wird bei der Frage „Kaffee mit Milch oder Milch mit Kaffee“ besonders deutlich. Macht es nur geschmacklich einen Unterschied, Kaffee mit Milch oder Milch mit Kaffee zu verkaufen? Nein, meint das Umsatzsteuergesetz. Je nach Milchanteil unterliegt die Lieferung dem ermäßigten oder dem Regelsteuersatz. Wird der Milchanteil entsprechender Produkte bei Bäckereien, Cafés & Co. hoch genug gewichten ergibt sich aufgrund des unterschiedlichen Steuersatzes ein  um 12% höherer Reingewinn .

Getränk ist nicht gleich Getränk. Verkauft der Unternehmer einen Kaffee, so handelt es sich um eine Lieferung, welche dem Regelsteuersatz von 19 % unterliegt. Dies gilt unabhängig davon, ob der Kaffee vor Ort verzehrt oder vom Kunden mitgenommen wird („Coffee to go“). Auch der Verkauf von einem Glas Milch innerhalb des Gastronomiebetriebs unterliegt dem Regelsteuersatz von 19%. Verkauft der Unternehmer hingegen ein Glas Milch, dass der Kunde mitnimmt, so unterliegt die Lieferung nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG und der Anlage 2 Nr. 4 zum UStG dem ermäßigten Steuersatz von 7 %.

Wird kein fertiger Kaffee, sondern werden lediglich die Kaffeebohnen oder Kaffeepulver verkauft, unterliegt die Lieferung ebenfalls dem ermäßigten Steuersatz (§ 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG und der Anlage 2 Nr. 12 zum UStG).

Wird jedoch kein reiner Kaffee oder keine reine Milch, sondern eine Kombination beider Produkte dem Kunden angeboten ‒ beispielsweise also beim Verkauf von Milchkaffee, Latte Macchiato, Kakao oder Cappuccino sind folgende steuerlichen Regelungen zu beachten. Beim Verkauf von Milchmischgetränken kommt es aus umsatzsteuerlicher Sicht auf den prozentualen Anteil der im fertigen Produkt enthaltenen Milch oder der Milcherzeugnisse (z. B. Molke) an. Beläuft sich dieser Anteil auf mindestens 75 %, so unterliegt die Lieferung gemäß § 12 Abs. 2 Nr. 1 und der Anlage 2 Nr. 35 dem ermäßigten Steuersatz von 7 %. Bei einem geringeren Milchanteil findet hingegen der Regelsteuersatz Anwendung. Dieser gilt im Übrigen unabhängig vom Milchanteil immer dann, wenn das Produkt vor Ort verzehrt wird, es Alkohol enthält oder wenn keine „richtige“ Milch, sondern Milchersatzprodukte pflanzlichen Ursprungs verwendet werden (z. B. Soja).

Milchmischgetränke sind also nicht gleich Kaffee oder Milch. Während bei Verzehr innerhalb des Betriebs immer der Regelsteuersatz gilt, muss bei Verkauf „to go“ unterschieden werden. Kaffee mit einem Schuss Milch unterliegt dem Regelsteuersatz, während bei Milch mit einem Schuss Kaffee oder Espresso (maximal 25 %) der ermäßigte Steuersatz greift.

PRAXISTIPP Es sollte bei dem Milchanteil darauf geachtet werden, einen kleinen „Puffer“ für findige Betriebsprüfer einzubauen. Sollte der Unternehmer den Milchanteil auf exakt 75 % taxieren und fügt der Kunde dem Getränk eine Portion Zucker hinzu, sinkt der Milchanteil des fertigen Getränks auf unter 75 %. Unangenehme Diskussionen mit dem Betriebsprüfer sind vorprogrammiert. Zudem sollten Aufzeichnungen darüber geführt werden, welche Milchmischgetränke vor Ort verzehrt/mitgenommen werden.