Privates Veräußerungsgeschäft bei kurzzeitiger Vermietung nach Eigennutzung?

Ausgenommen von der 10-jährigen Spekulationsfrist bei der Veräußerung von Grundstücken sind Grundstücke, die im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurden. Es stellt sich die Frage, ob diese Voraussetzung auch erfüllt ist, wenn nach einer langjährigen ununterbrochenen Eigennutzung, eine Eigentumswohnung vor dem Verkauf kurzzeitig vermietet wird.

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hatte den Fall zu entscheiden, in dem ein Steuerpflichtiger seine in 2012 erworbene Eigentumswohnung bis Februar 2019 durchgehend zu eigenen Wohnzwecken genutzt hatte und diese im Anschluss von März bis Juli vermietete. Im August 2019 wurde sie mit Gewinn veräußert.

Das Finanzamt war der Auffassung, dass die kurzfristige Vermietung steuerschädlich ist und hat einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn ermittelt und versteuert. Dem widersprach das Finanzgericht Baden-Württemberg in seinem Urteil vom 07.12.2018 – Aktenzeichen 13 K 289/17. Während das Finanzamt die Auffassung vertrat, dass nur ein Leerstand im Veräußerungsjahr steuerunschädlich ist, war das Finanzgericht der Auffassung, dass ein steuerfreier Veräußerungsgewinn auch vorliegt, wenn im Jahr der Veräußerung und den beiden vorangegangenen Jahren die Immobilie für ununterbrochen für eigene Wohnzwecke genutzt wurde. Eine Vermietung zwischen der Beendigung der Eigennutzung und der Veräußerung führt nicht zu einer Steuerschädlichkeit.

Gegen die Entscheidung des FG Baden-Württemberg läuft ein Revisionsverfahren vor dem BFH (Aktenzeichen IX R 10/19). Vergleichbare Fälle sollten bis zu einer Entscheidung des BFH offen gehalten werden.