Wie sich Lohnkosten auch ohne Kurzarbeit senken lassen

Während der Corona-Krise haben viele Unternehmen mit ihren Mitarbeitern Kurzarbeit vereinbart um die Firmen und die Arbeitsplätze zu retten.. Neben der Kurzarbeit kann aber auch ein Gehaltsverzicht der Mitarbeiter die Firmen in der Corona-Krise retten – doch dabei gibt es rechtliche Hürden, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer kennen sollten. Die nachfolgenden Ausführungen stellen lediglich allgemeine Hinweise dar und keine arbeitsrechtliche Beratung. Für eine Beratung zum Gehaltsverzicht wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Gerne können wir Ihnen bei Bedarf entsprechende Fachanwälte nennen

1. Gehaltsverzicht

Bei einem Gehaltsverzicht verzichten Mitarbeiter auf einen Teil ihres Gehalts, und dieses Geld wird ihnen auch später nicht zurückgezahlt. Ein Verzicht hilft insbesondere dann, wenn Umsatz wegbricht, der auch in den kommenden Monaten nicht mehr aufgeholt werden kann. Er sollte aus Gründen der Sozialversicherung jedoch stets nur für die Zukunft und nicht rückwirkend vereinbart werden.

Wichtig ist aber: Das Nettogehalt des Arbeitnehmers sinkt nicht so stark wie das Bruttogehalt. Denn bei einem geringeren Bruttogehalt müssen auch weniger Steuern abgeführt werden.

Ein Beispiel: Ein Mitarbeiter verdient normalerweise 4000 Euro brutto im Monat. Er hat Steuerklasse eins, ist nicht in der Kirche und hat keine Kinder. In diesem Fall liegt sein monatliches Nettoeinkommen bei 2487,41 Euro.

Verzichtet er nun beispielsweise auf 10 Prozent seines laufenden Bruttogehalts, so sinkt dieses auf 3600 Euro. Sein Nettoeinkommen liegt dann bei 2285,23 Euro. Sprich: Sein Nettoeinkommen sinkt nicht um 10 Prozent, sondern nur um 8,12 Prozent.

Im Hinblick auf die Einzahlungen in die Rentenversicherung nimmt der Arbeitnehmer allerdings 10 Prozent Einbußen hin. Denn diese Beiträge werden von seinem Bruttogehalt abgeführt.

Dasselbe gilt für die betriebliche Altersvorsorge: Auch diese wird eventuell prozentual vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers abgeführt. Das ist jedenfalls solange der Fall, wie das monatliche Bruttogehalt unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung liegt.

2. Gehaltsstundung

Bei einer Gehaltsstundung können Unternehmer mit ihren Mitarbeitern vereinbaren, dass sie vorübergehend auf die Auszahlung eines Teils ihres Gehalts verzichten und dieses erst in einigen Monaten ausgezahlt bekommen, wenn es dem Unternehmen wieder besser geht. Eine Stundung hilft insbesondere dann, wenn es vorübergehend einen Liquiditätsengpass im Unternehmen gibt.

Allerdings kann eine Stundung für manche Unternehmen auch problematisch werden. Denn sie gewinnen zwar zunächst Liquidität, müssen für die gestundeten Gehälter aber Rücklagen bilden, die wiederum das Jahresergebnis senken.

Außerdem muss bei einer Stundung von vornherein vereinbart werden, wann die Mitarbeiter ihr Geld zurückbekommen. Und das ist schwer vorherzusagen in einer Krise, in der man ja nie wissen kann, wie schnell das Geschäft wieder anläuft.

Ist die Krise noch nicht vorbei oder leidet das Unternehmen noch an Folgeproblemen und ist trotzdem der Zeitpunkt erreicht, an dem die Mitarbeiter ihr Geld vereinbarungsgemäß zurückbekommen sollen, sind Unternehmer erneut auf das Wohlwollen der Mitarbeiter angewiesen: Nur wenn diese einer erneuten Stundung zustimmen, kann die Zahlung des bereits gestundeten Gehalts erneut aufgeschoben werden. Sind die Mitarbeiter damit nicht einverstanden, muss der Unternehmer zahlen. Auch dann, wenn ihn diese Zahlungen in die Insolvenz treiben sollten.

3. Gehaltsverzicht mit Besserungsklausel

Weder ein Gehaltsverzicht, noch eine Gehaltsstundung sind also wirklich zufriedenstellend: Bei einem Gehaltsverzicht haben die Mitarbeiter das Nachsehen. Und bei einer Stundung kann der Unternehmer unter Umständen in später in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Eine dritte Option könnte deshalb folgendermaßen aussehen: Die Mitarbeiter verzichten zunächst auf einen Teil ihres Gehalts. In einer schriftlichen Vereinbarung sichert der Unternehmer ihnen aber zu, dass sie ihr Geld bekommen, sobald es dem Unternehmen wieder besser geht.

Möglich wäre es beispielsweise, die Rückzahlung an das Erreichen eines bestimmten Jahresumsatzes zu koppeln. Auch bei dieser Form muss der Unternehmer Rückstellungen für die spätere Rückzahlung an seine Mitarbeiter bilden. Man spricht hier von einer sogenannten Besserungsklausel: Wenn es dem Unternehmen besser geht, erhalten die Mitarbeiter ihr Geld zurück.